Wohnungsbau Konzept 2030 nach wie vor ohne Berücksichtigung der Flüchtlinge

edfaDas neue Wohnflächenkonzept der Stadt bis zum Jahr 2030 wurde über die Sommerpause kräftig überarbeitet. Unter anderem wurde erfreulicherweise der Jenzigfuß sowie andere Kleingarten-Bereiche als Entwicklungsflächen heraus genommen. Bei den zentralen Kritikpunkten gibt es aber keine Verbesserung.

Der Plan sieht bis 2030 vor, neue Wohnbauflächen nur auf dem niedrigst möglichen Niveau zu schaffen um gerade so das Wachstum der Bevölkerung auszugleichen. Mehr Wohnraum über das Wachstum hinaus (um beispielsweise den Wohnungsmarkt in der Stadt zu entspannen) soll nicht geschaffen werden.

Das Wohnbauflächenkonzept, das die Grundlage für die aktuelle Beschlussvorlage bildet, basiert auf einem Arbeitsstand vom 30. Juni 2014, die Zahlen in der Berechnung basieren auf der Prognose der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Jena von Anfang 2014.Im Jahr 2014 war die Situation in der Stadt aber komplett anders. Die über 1.000 Asylsuchenden in der Stadt, die in 2015 dazu gekommen sind, finden in diesen Berechnungen gar keinen Eingang. Für die weitere Entwicklung der Wohnbauflächen werden sie daher in der aktuellen Beschlussvorlage auch nicht berücksichtigt, ebenso wenig werden zukünftige Flüchtlinge erfasst.

Stattdessen sieht das Konzept vor:

  • in erster Linie teuren Wohnraum zu schaffen
  • den Wohnungsbau zu halbieren (von derzeit 400 auf etwa 200 Wohnungen pro Jahr)

In Verbindung mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge der Stadt hat dieses Wohnkonzept daher fatale Auswirkungen. Man zementiert damit die dauerhafte zentrale Unterbringung von Flüchtlingen da passender Wohnraum für eine dezentrale Unterbringung nicht geschaffen wird. Auch nach der Anerkennung besteht für Flüchtlinge kaum die Chance auf eigenen Wohnungen, da zu wenig neuer Wohnraum geschaffen wird und dieser auch noch in erster Linie im hochpreisigen Segment entsteht, das für die meisten anerkannten Flüchtlinge kaum bezahlbar sein dürfte. Die Mietpreise dürften nochmals einen Schub nach oben bekommen, da einer wachsenden Nachfrage kein ausreichendes (und adäquates) Angebot gegenübersteht. Man kann die Flüchtlinge im Wohnungsbaukonzept ignorieren, auf dem Wohnungsmarkt gelingt das aber nicht.

Vor einen Beschluss müsste das Wohnungsbau-Konzept der Stadt daher dringend an die aktuelle Entwicklungen angepasst werden und es stellt sich natürlich auch die Frage ob es wirklich sinnvoll ist, den Wohnungsbau bis 2030 zu planen, wenn derzeit noch nicht einmal mittelfristig die Entwicklung der Flüchtlingszahlen und deren Auswirkungen abgeschätzt werden können.

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