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Eichplatz

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Quo vadis Orchideenbrunnen?

tl;dr Es wird etwa 130m² Wasserfläche am Eichplatz geben, aber der Orchideenbrunnen wird dort keinen Platz finden.

Das Thema Wasser war bei allen Diskussionen rund um die Neugestaltung des neuen Eichplatzes ein sehr wichtiges Thema gewesen und nahm in den Anregungen zur Gestaltung der neuen Fläche neben dem Wunsch nach Grün meistens den zweiten Platz ein, teilweise auch den ersten Platz bei den Nennungen. Bei der Gestaltung zum neuen Stadtgarten (also dem Bereich der aktuellen Grünanlage bis zum Kirchplatz) kam dieses Thema auch in Gestalt des Orchideenbrunnens wieder zum Tragen und fand viele Unterstützer (aber auch kritische Stimmen). Online hat die Petition für den Orchideenbrunnen mittlerweile mehr als 900 Stimmen und daher sollte man die Idee, die ehemaligen Orchideenbrunnen wieder aufzustellen, durchaus ernst nehmen.

Im Werkstattgremium zum Eichplatz (am 11.07.2018) haben wir dieses Thema ausführlich besprochen und versucht, den Orchideenbrunnen funktionell in das neue Konzept zu integrieren. Von Seiten der Moderatoren von Stadtlabor waren dabei im Vorfeld sowohl die Verwaltung als auch der Künstler und die Architekten befragt worden. Es gab dabei recht wenig positive Stimmen für eine Wieder-Aufstellung des Brunnens, selbst der Künstler konnte sich nicht so recht vorstellen, ihn im neuen Konzept zu integrieren.

BILD CC BY Sludge G @flickr

Konkret hat es das Gremium daher abgelehnt, den Brunnen im neuen Konzept wieder aufstellen zu lassen. Der Grund dafür waren es eine ganze Reihe von fachlichen Argumenten, die gegen den Orchideenbrunnen an dieser Stelle sprechen:

  • Der Brunnen war ursprünglich konzipiert um auf einem großen Platz (dem damaligen Platz der Kosmonauten) zu wirken. Der neue Stadtgarten am Eichplatz ist deutlich kleiner und würde den Brunnen sehr ein zwängen  – die ursprünglichen Intention und Wirkungen könnte also ohnehin nicht wieder  hergestellt werden.
  • Die Kosten für eine Sanierung des Brunnens lägen wohl recht hoch. Die Stadtverwaltung hat die eingelagerten Teile inspiziert und schätzt die Kosten für eine Restaurierung auf 500.000 Euro. Unter anderem müßten die gesamten Rohrleitungen und die Technik erneuert werden.
  • Derzeit ist für Brunnen bzw Wasser ein Bereich von etwa 130m² im neuen Stadtgarten vorgesehen. Das würde nicht ausreichen, um den Orchideenbrunnen wieder aufzustellen, daher müssten Grünbereiche oder andere Elemente weichen um den Brunnen an diesem Ort aufzustellen.
  • Für mich ausschlaggebend: Der Brunnen ist in dieser Form nur in der warmen Jahreszeit nutzbar. In der restlichen Zeit des Jahres ist es ein Bereich, der nicht genutzt werden kann. Grob geschätzt hätte der Brunnen also nur etwa eine Hälfte des Jahres eine Funktion. Mir ist an der Stelle der Platz in der Innenstadt zu kostbar, ich hätte dann doch lieber ein Element, welches mehr genutzt werden kann.

Die Entscheidung gegen den Orchideenbrunnen ist im Übrigen keine Entscheidung gegen Wasser an dieser Stelle. Das Architektenbüro plant einen Brunnen- und Wasserbereich (wie oben geschrieben mit etwa 130m²) und das soll nach wie vor umgesetzt werden. Die Vorgaben sind dabei, dass auch stehendes Wasser ermöglicht werden soll, Sitzmöglichkeiten am Wasser werden ebenso geprüft und darüber hinaus sollen auch Fontänen eingesetzt werden. Die genaue Umsetzung wird durch die externen Architekten noch ausgearbeitet. Es wird also Wasser im neuen Stadtgarten geben, nur eben nicht in Form des Orchideenbrunnens.

Am Status Quo des Orchideenbrunnens ändert sich dadurch im Übrigen nichts. Dieser bleibt auch weiterhin eingelagert und steht daher für zukünftige Plätze und Planungen zur Verfügung. Allerdings wird sich wohl auch an den Kosten für den Einsatz wenig ändern, eine Restaurierung des Brunnens ist also in jedem Fall eine teure Sache.

Nächste Eichplatz-Werkstatt: Nach welchen Maßstäben sollen Investoren bewertet werden?

Die Vergabe des ersten Baufeldes am Eichplatz wird derzeit geplant und dazu sollen eine ganze Reihe von Investoren ihr Angebot abgeben. Für den weiteren Verlauf wird es darum gehen, nach welche Kriterien diese Angebote bewertet werden sollen. Bekommt zum Beispiel ein Investor mit mehr Parkfläche mehr Punkte als ein Investor mit mehr Handelsfläche oder umgekehrt? Wie voll die Architektur der Entwürfe bewertet werden – eher hoch oder eher nachrangig? Welchen Stellenwert hat der Kaufpreis?

Für mich wäre an der Stelle Feedback sehr wichtig, da ich zwar einige persönliche Präferenzen habe, aber natürlich gerne noch mehr Vorschläge hätte, nach welchen Vorgaben man die Investorenvorschläge bewerten sollte. Daher an der Stelle die Frage:

  • Nach welchen Maßstäben sollen die Vorschläge der Investoren bewertet werden?
  • Welche Rangfolge haben die einzelnen Bewertungskriterien, was ist besonders wichtig und was eher nicht so (aber auch wünschenswert).

Ich würde diese Kriterien dann zur nächsten Werkstatt (am 20.11) mit bringen und so weit es geht einfließen lassen.

Wichtig dabei: Es geht in diesem Fall nur um das Baufeld 1 – nicht um die Grünflächen in der Verlängerung des Kirchplatzes und nicht um das Baufeld 2 am Rathaus. Daher sollten sich die Kriterien und deren Wertigkeit auch nur auf dieses Baufeld beziehen. Leider lässt sich auch am grundlegende Rahmenplan nichts mehr ändern. Daher helfen wirklich nur Vorschläge für die Bewertung des Baufeldes 2.

Kleine Orientierung: Baufeld 1 ist in Rot eingezeichnet

Eichplatz Rahmenplan mit kleinen, aber entscheidenden Änderungen

Nach dem langen Beteiligungsprozess 2016 gibt es nun endlich einen Rahmenplan für die weitere Entwicklung des Eichplatz-Areals, der bereits im Januar im Stadtrat beschlossen werden soll. Die Ideen und Grundsätze wurden dabei im Großen und Ganzen in den Rahmenplan übernommen, es gibt aber durchaus auch Abweichungen, die inhaltlich eine Menge ausmachen.

Wie grün wird der Freiraum am neuen Eichplatz?

Der Name des neuen Platzes „Neuer Stadtgarten“ verspricht einiges, es gibt dabei aber ein Problem, denn im Rahmenplan heißt es dazu nur:

Der Stadtgarten soll im Gegensatz zum Marktplatz im Wesentlichen eine grüne Anmutung erhalten, gleichzeitig aber auch multifiunktional ausgerichtet sein. [Fehler im Original]

Das liest sich seltsam, denn was ist der Unterschied zwischen einer Grünfläche und einer Fläche mit grüner Anmutung? Eine Fläche mit grüner Anmutung liest sich eher wie ein versiegelter Bereich, in den einige Alibi-Pflanzen in Kübeln geschoben wurden. Das war aber nicht der Wunsch der Bürger und der Werkstatt, hier war immer von einer vollständigen Grünfläche die Rede und nicht von einer Fläche, die nur dem Anschein nach Grün ist.

Baum Pixabay CC0

Was genau ist ein Platz mit „grüner Anmutung“?

So eine kleine, aber entscheidende Änderung findet man auch zwei Sätze weiter. Dort heißt es zu Wasserflächen:

Nach Möglichkeit soll auch das Thema Wasser im Stadtgarten und/ oder in den Innenräumen des Quartiers behandelt weden. [Fehler im Original]

In den Grundsätzen heißt es aber, dass diese Elemente einzubeziehen sind – nicht nur nach Möglichkeit sondern immer. Diese Vorgabe weicht man mit der Formulierung im Rahmenplan auf und hält sich die Möglichkeit offen, doch keine Wasserflächen oder -Läufe in der Innenstadt zu schaffen.

Ein weiterer Satz lässt grübeln:

Die im Ansatz vorhandenen straßenbegleitenden Baumreihen sind atypisch für die Kernstadt von Jena, insbesondere die Platanenreihen am östlichen Rand des Areals im Raum der Rathausgasse. Sie implizieren eine unangemessene Dimension des Straßenraumes und schließen die gewünschte Entwicklung einer maßstabsgerechten Altstadtstraße aus.

Da auf dem Planentwurf bereits an der Neuen Mitte, dem Nonnenplan und dem Leutragraben solche straßenbegleitenden Baumreihen eingezeichnet sind, können die Bäume am Eichplatz nicht SO untypisch für die Kernstadt sein. Hier hätte man einfach bei den Fakten bleiben sollen: die größeren Bäume im östlichen Bereich des Platzes sind der Bebauung im Weg und müssen daher weichen.

Das Parken am Eichplatz

Das Parken war bereits bei den alten Plänen der Eichplatzbebauung ein Problem und scheint auch bei den neuen Planungen im Mittelpunkt verschiedener Interessen zu stehen. In den Grundsätzen für die Bebauung heißt es noch:

Einigkeit bestand darüber, dass für das Pkw-Parken eine Tiefgarage gebaut werden soll. Oberirdisches Parken, auch Kurzzeitparken, wird abgelehnt. Kurzzeitparken und Familienparkplätze sollen in der Tiefgarage entstehen. Die Anzahl der Zufahrten ergibt sich aus der Zahl der Stellplätze. Fragen der Garagengröße, Kapazität und Verkehrsorganisation hängen stark von der künftigen Nutzung und Bauentwicklung ab.

Im Rahmenplan wird davon abgewichen. Stattdessen wird von Anfang an ein zweigeschossige Tiefgarage in Frage gestellt und es soll eher im Bereich Fürstengraben und Löbdergraben nach potentiellen Flächen für Parkhäuser gesucht werden. Statt abzuwarten, welche Nutzungen und Kapazitäten sich aus den Planungen ergeben, wird jetzt bereits die eingeschossige Lösung bevorzugt.

Hintergrund ist die Annahme, dass der KfZ-Verkehr zukünftig abnehmen wird und sich eine Tiefgarage mit zwei Geschossen sich daher nicht rechnet. Einen Nachweis für die Annahme gibt es nicht und auch der Hinweis, das oberirdische Parkhäuser am Fürstengraben und Löbdergraben flexibler wären, kann nicht so recht überzeugen. Oberirdische Parkanlagen stehen stattdessen immer in räumlicher Konkurrenz mit Wohn- und Geschäftsbebauung. Wo ein Parkhaus ist, können die Flächen nicht für andere Zwecke genutzt werden und das ist in einem beengten Stadtzentrum ein Problem.

Dazu wird Jena auch in Zukunft ein Oberzentrum bleiben – also im verwaltungsdeutsch ein Ort, der Kultur, ärztliche Versorgung und Handel für das Umland bereit stellt. Das bedeutet aber auch, dass Straßen und Parkflächen da sein müssen um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Ein weiterer Punkt: oberirdische Parkhäuser sind in der Regel reine Funktionsbauten (man denke nur an das neue Parkhaus am Klinikum). Mit einer attraktiven Innenstadt haben sie daher wenig gemein.

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Funktional, aber meistens wenig ansehnlich: Parkhäuser

Der neuen Rahmenplan enthält im Vergleich zu den Vorgaben aus den Werkstätten einige Abweichungen, die dringend noch ausgebessert werden sollten. Dazu ist nach wie vor nicht klar, ob die Mehrheit der Jenaer überhaupt hinter diesem Entwurf steht. Auch hier sollte dringend noch nachgearbeitet werden.

Die erste Gelegenheit dazu wäre am 12. Januar im öffentlichen Teil des Stadtentwicklungsausschusses, der im Plenarsaal des Rathauses stattfinden wird. Dort haben Bürger zwar kein Rederecht, man kann den Stadträten aber durchaus durch Anwesenheit den Rücken stärken.

Eichplatz Jena – was meinen eigentlich die restlichen Jenaer?

Der Rahmenplan-Entwurf für die Umgestaltung des Eichplatzes liegt seit Anfang November vor und wird voraussichtlich Anfang 2016 im Stadtrat diskutiert und auch beschlossen werden. Der Planentwurf ist diesmal deutlich breiter erarbeitet worden. Es gab die Werkstatt mit einer Kombination aus Bürger, Politik und Verwaltung, dazu wurden die Entwürfe regelmäßig öffentlich vorgestellt und auch online konnte man dazu Stellung nehmen.

Was aber nach wie vor fehlt ist ein repräsentatives Meinungsbild der Jenaer zu diesem Entwurf. In der Werkstatt haben 10 bis 20 Bürger mitgearbeitet, in den Veranstaltungen pro Termin etwa 100 bis 200 Bürger. Im Vergleich zu den mehr als 100.000 Einwohnern von Jena ist das vergleichsweise wenig, dazu kommt, dass die Veranstaltungen immer eine gewissen Vorauswahl bedeuten – dort kommt nur hin, wer sich für das Thema wirklich interessiert und wer wirklich Zeit hat.

Bevor der Stadtrat diesen Rahmenplan-Entwurf absegnet, wäre es also sinnvoll, noch einmal eine Befragung durchzuführen um zu ermitteln, wie denn die Mehrheit der Jenaer zu diesem Entwurf steht. Es müssen dabei nicht zwangsläufig alle Jenaer befragt werden wie beim letzten Mal, aber es sollte zumindest eine repräsentative Stichprobe teilnehmen, die auf die Mehrheitsverhältnisse in der Stadt rückschließen lässt. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass im Laufe des Verfahrens noch Kritikpunkte auftauchen, die dann deutlich schwerer zu korrigieren sind.

Um es nochmal deutlich zu machen: es geht bei so einer Befragung nicht mehr darum, jeder möglichen Vorstellung von der Gestaltung des Eichplatzes Raum zu schaffen. Es geht vielmehr darum herauszufinden, ob die aktuellen Planungen wirklich eine Mehrheit in der Stadt haben oder ob sie „nur“ von der Werkstatt und den Teilnehmern der Veranstaltung getragen werden.

Befragungen zum späteren Zeitpunkt würden mehr Kosten verursachen

Tatsächlich ist jetzt möglicherweise die letzte Gelegenheit, das Konzept nochmal hinterfragen zu lassen, ohne das Änderungen viel Geld kosten und den weiteren Prozessablauf stören würden. Im Januar soll es bereits los gegen Investoren für dieses Projekt zu gewinnen. Stellt sich dann heraus, dass einige Punkte doch nicht mehrheitsfähig sind, müßte man zusätzlich auch wieder die Investoren vertrösten.

Schlimmer noch: im späteren Verlauf ist irgendwann möglicherweise wieder der Punkt erreicht, an dem größere Änderungen kaum noch möglich sind und eine Korrektur wieder zu einem kompletten Abbruch der Planungen führen würden. Das kann man verhindern, in dem man jetzt – in einem relativ früheren Planungsstadium – nochmal rückkoppelt, ob die Planungen wirklich im Interesse der Mehrheit sind.

Planungsänderungen in der Innenstadt – aber keine Änderung am Eichplatz?

Zusätzlich gibt es mittlerweile einige Punkte und Änderungen, die so möglicherweise nicht von Anfang an von der Mehrheit mit getragen worden wären. Die Planungen für die Innenstadt steht nicht still und da der Einchplatz mit Blick auf die gesamte Innenstadt geplant wurde, verändern neue Ideen für das Zentrum natürlich auch die Ansätze für den Eichplatz:

  • In der Neugasse soll wahrscheinlich eine Kombination aus Bibliothek und Meldestelle entstehen. Freiräume für ein Bürgerhaus – wie es ursprünglich mal gedacht war – gibt es damit wohl zukünftig nicht. Beim Eichplatz hatte man auf diese Bereiche weitgehend verzichtet, mit der Begründung, das in der Neugasse der bessere Standort wäre. Wenn sie nun dort nicht entstehen, würden viele Bürger möglicherweise doch wieder den Eichplatz als Standort dafür haben wollen.
  • Das Bachstraßenareal war als Wohnbereich mit eingeplant worden. Mittlerweile könnte nun die neue Schnellstraße („Innere Westtagente“) dort entlang führen und den Platz für Wohnungen einschränken. Müßte dafür unter Umständen die Planung am Eichplatz angepasst werden?

Der Bürgerhaushalt schafft eine solche Befragung im Übrigen mit einem Budget von um die 25.000 Euro pro Jahr. Das sollte auch bei Eichplatz möglich sein.