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Corona-Tagebuch 06.04.2020: Der erste Tag der Maskenpflicht

Erster Tag mit der Maskenpflicht für Geschäfte und den Nahverkehr. Es klappt sogar ganz gut, aber zumindest bei mir hat sich gezeigt, das Bart und Brille in Verbindung mit der Maske keine gute Kombination sind. Die Maske liegt durch den Bart schlecht an und lässt sich auch nicht ankleben, daher tritt immer viel Luft nach oben aus und lässt die Brille beschlagen. Schauen wir mal, ob es mit der Zeit besser wird. Nach Angaben der Stadtverwaltung scheint es aber insgesamt in der Stadt gut angelaufen zu sein:

Nach Aussagen des Ordnungsamtes ist heute zum überwiegenden Teil die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung eingehalten worden. Auch der Einzelhandel zeigte sich zufrieden, ebenso der Jenaer Nahverkehr. Die zahlreichen Fernsehteams waren ebenfalls von der Disziplin der Jena beeindruckt.

Die Fallzahlen liegen derzeit bei 145 Infizierten, davon sind 49 bereits wieder genesen. In den letzten beiden Tagen sind die Zahlen für die Infizierten damit um 3 bzw. 2 gestiegen. Dazu hat sich eine Diskussion um die Verdopplungsrate entzündet. Wir liegen derzeit in Jena bei einer Verdopplungsraten von über 20 Tagen, es braucht mehr alks drei Wochen, damit sich die Fallzahlen verdoppeln. Das ist dann schon kein expotentielles Wachstum mehr und das Wachstum ist damit deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Aber kann man es wirklich mit der Verdopplungsrate erfassen? Besser wären wohl andere Metriken, aber diese gibt es bisher noch nicht als Vorgaben, daher wird es wohl für die Vergleichbarkeit bei der Veropplungsraten bleiben.

Etwas Positives zum Schluss:  Der Preis für das Benzin liegt mittlerweile bei 1,15 Euro für E10 – so billig gab es Benzin schon lange nicht mehr.

Corona-Tagebuch 03.04.2020 – Es gibt weniger aktive Infektionen in der Stadt

Die heutigen Fallzahlen für Jena liegen bei 136 und sind damit weiter angestiegen. Mittlerweile weist Jena auch die Genesungen aus (nach dem Formel des RKI) und danach kommen wir 29 Fällen von Corona-Infizierten, die mittlerweile wieder gesund sind. Die gute Nachricht dabei: Mittlerweile übersteigt die Zahl der Gesundungen die Zahl der Neuinfizierten, so dass es effektiv wenige Infizierte in der Stadt gibt.

Die neue Allgemeinverfügung ist seit gestern in Kraft und ab Montag wird man nun beim Einkaufen einen Nasen- und Mundschutz tragen müssen. Ich bin immer noch gegen diese Zangsmaßnahme (wegens des Zwangs, nicht wegen der Maßnahme), aber heute beim Einkaufen ist wieder sehr deutlich geworden, dass nach wie vor viele Leute die Abstandsregeln nicht einhalten. Daher ist eine Maske ein guter Weg um auch bei Hygiene-Verstößen zumindest noch einen geringen Schutz zu haben. Oder umgekehrt: wenn normalen Maßnahmen nicht freiwillig richtig umgesetzt werden, muss man zwangsweise Verschärfungen anordnen.

Dazu habe ich mir heute einige Studien zur sozialen Isolation von Kindern angeschaut und es sieht ehrlich gesagt erschreckend aus. Die Reduktion von Sozialkontakten führt in vielen Fällen zu Folgeproblemen bis hin zu Depressionen im schlimmsten Fall. Wir haben jetzt eine recht weitgehende Isolation aller Kinder der Stadt bis mindetens 19. April – dabei sollte es im besten Fall bleiben und diese Kontakt- und Spielplatzsperre nicht noch ausgeweitet werden.

Eine gute Nachricht zum Schluss: es sieht so aus als gäbe es einen neuen Schnelltest auf Corona-Antikörper. Dieser wurde in Jena entwickelt und wird in Weimar hergestellt. Mit etwas Glück ist er bald verfügbar und damit kann man recht einfach feststellen, ob jemand bereits immun ist oder nicht. Das wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer Normalisierung des Alltagslebens für die Betreffenden.

 

Corona-Tagebuch 31.03.2020: Maskenball in Jena

Die aktuellen Fallzahlen liegen bei 119 Fällen von Corona-Infizierten in Jena, ein Genesener ist dazu gekommen. Die anderen Werte haben sich nicht verändert, es gibt erfreulicherweise auch keinen neuen Todesfall.

Die größte Neuerung heute dürfte die Ankündigung der Stadt sein, dass in einer Woche die Plicht zum Tragen von Masken kommen soll, zumindest im ÖPNV und in Läden und Geschäften. Dies hat für ziemliche Diskussionen gesorgt, denn aktuell gibt es wohl noch nicht genug Masken und selbst wenn scheint der Vorteil von Masken in der aktuellen Situation zumindest auch kritisch hinterfragt zu werden. Während bei anderen Maßnahmen (beispielsweise das Versammlungsverbot oder die 1,5 Meter Abstand) durchaus unstrittig Effekt zu erwarten sind, bleibt der Vorteil von Masken diskutabel. Dazu scheint sich die Situation auch nicht so dramatisch verschlechtert zu haben, dass eine weitere Zwangsmaßnahme unumgänglich erscheint. Bisher gibt es aber noch keine konkreten Details dazu und keine Allgemeinverfügung, daher bleibt abzuwarten, ob das so umgesetzt wird. Bisher heißt es von Seite der Stadtverwaltung eher unkonkret:

Angesichts der rasant steigenden Zahlen von Covid-19 Erkrankungen gibt es weltweit schon seit längerem Überlegungen zur Einführung einer Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken. Beim Betreten von Geschäften, im Nahverkehr und überall dort, wo Mindestabstände nicht mehr eingehalten werden können, sollen solche Masken getragen werden. Auch die Hinweise unseres Gesundheitsamtes sind diesbezüglich sehr klar. Der Krisenstab der Stadt Jena hat deshalb entschieden, diese Pflicht zum Tragen einer Maske schrittweise einzuführen, aber auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man dieser Verpflichtung nachkommen kann.

Wer sich selbst zu dem Thema informieren will, hier ein paar offizielle Links:

Was bisher fehlt ist eine Perspektive, wie man die Situation wieder unter Kontrolle bringen kann. Es gibt zwar Durchhalteparolen, aber es fehlt ein Szeanrio wie man zu einer Normalisierung des Lebens kommen könnte. Stattdessen gibt es immer wieder Verschärfungen und neue Einschränkungen – da ist es schwierig eine positive Einschätzung zu behalten.

Corona-Tagebuch 30.03.2020 – Darf man schon von Entspannung reden?

Heute lagen die Fallzahlen in Jena bei 117 Infizierten. Die Stadt stellt nun auch eine Visualisierung zur Verfügung und darauf kann man recht gut sehen, dass die Kurve leicht flacher wird. Das ist wohl noch kein Zeichen zur Entwarnung, aber zumindest scheint das Worst-Case Szenarion mit einem ungebremsten expotentiellen Wachstum der Infiziertenzahlen nicht einzutreffen.

Die Corona-Zahlen für Jena als Grafik der Stadtverwaltung:

Noch etwas macht Hoffnung: Die Zahl von Todesfällen liegt nach wie vor bei einem Fall. Das ist tragisch genug, aber bestätigt, dass auch in Jena die eher niedrige Sterberate zu finden ist, die in ganz Deutschland derzeit der Durchschnitt ist. Auf 100 Fälle von Corona Infizierten gibt es weniger als einen Todesfall. Das ist im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Der internationale Durchschnitt liegt bei fast 5 Prozent und in Italien liegt die Sterblichkeit bei über 10 Prozent. Geht man davon aus, dass in Deutschland möglicherweise noch nicht alle Corona Fälle wirklich erfasst sind, könnte die Sterblichkeitsrate sogar noch niedriger liegen. Es gibt einige Gründe, warum wir in Deutschland bisher so erfreulich wenige Todesfälle haben, aber eine komplette Erklärung dafür scheint es noch nicht zu geben.

Entspannung gibt es auch beim Nahverkehr. Die Busse und Bahnen sollen auf einige Strecken wieder häufiger fahren, offensichtlich hat sich auch die Personalsituation beim Jenaer Nahverkehr entspannt. Dort schreibt man zu den Plänen ab 1. April:

Vorgesehen ist eine weitere Verstärkung der Straßenbahn-Linie 1 und der Bus-Linie 10. Zusätzlich fährt die Straßenbahn-Linie 3 in einem 30-Minuten-Takt. Bereits mit Beginn des Sonderfahrplans erhöhte der Jenaer Nahverkehr umgehend auf der stark nachgefragten Straßenbahn-Linie 1 den Takt von 30 Minuten auf 15 Minuten. Die erneute Anpassung auf den Hauptachsen dient dem Gesundheitsschutz der Fahrgäste. Durch zusätzlichen Platz können sie leichter Abstand voneinander halten. Zusätzlich wird das Klinikum deutlich häufiger bedient.

Ich werde morgen testen, wie gefüllt die Regionalbahn ist, nachdem auch die Bahn einige Züge gestrichen hat und hoffe, dass dennoch genug Platz bleibt um sicheren Abstand zu halten.

Corona-Tagebuch 29.03.2020 – Ruhiges Wochenende

Am Wochenende gab es wenig Neues in Sachen Pandemie. Die Fallzahlen in Jena sind leicht auf 114 gestiegen, wobei aber am Wochenende immer offen bleibt, ob alle Fälle getestet und erfasst wurden. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass die Fälle des Wochenende erst Morgen mit in der Statistik auftauchen.

In einigen Teilen der Stadt gab es zeitweise kein Wasser. Ursache dafür war ein Problem an der Hauptleitung im Bereich des Hockeyplatzes in Winzerla. Mit Corona hat das wohl nichts zu tun, aber so etwas kommt natürlich höchst ungelegen unter diesen Umständen.

Das schöne Wetter gestern hat viele Leute ins Freie getrieben. Laut Stadtverwaltung halten sich die Bürger dabei „allgemein sehr diszipliniert an die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung“. Auf Facebook kann man aber auch gegenteilige Fälle lesen, wobei ich gestern tatsächlich keine größeren Gruppe unterwegs gesehen habe. In Gera kam es aber wohl wieder zu Corona-Partys mit bis zu 20 Leuten (laut Polizeibericht), ob es auch in Jena solche Vorkommnisse gab, ist noch nicht bekannt, einen Bericht dazu gibt es zumindest noch nicht.

Mittlerweile kommen aber immer mehr Fragen auf, wie es nach der aktuellen Sperrzeit weiter geht. Es scheint kaum machbar, den derzeitigen Ausnahmezustand noch weiter auszudehnen und alternative Szenarien werden zumindest noch nicht öffentlich kommuniziert. Man fährt nach wie vor eher auf Sicht und damit bleibt die Unsicherheit, wie es konkret ab Mitte April weiter gehen soll.

Corona-Tagebuch 27.03.2020: Wocheneinkauf unter erschwerten Bedingungen

Die aktuellen Fallzahlen in Jena liegen bei 110 Infizierten mit COVID19, die genaueren Statistiken der letzten Tage wurde heute leider nicht mehr mitgeteilt. Dafür ist die Webseite der Stadt seit gestern Abend wieder online – sehr wichtig, da es aktuell viele relevante neue Meldungen gibt.

Privat war heute Wocheneinkauf angesagt und es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Supermärkte und Ketten die Hygiene-Vorschriften umgesetzt haben. Zur Kontrolle der Einkäufer im Markt wird fast überall darauf bestanden, dass man einen Wagen mitnimmt. Sind keine Wagen mehr da, darf man nicht mehr in den Markt bis ein Kunden heraus kommt. Bei Kaufland und Netto gelten dabei nur Wagen, im Tegut darf man auch einen Korb mitnehmen. Dazu gilt: pro Person ein Wagen. Eine stikte Kontrolle gibt es aber nicht, dazu waren auch viele Familien mit Kindern unterwegs – die Einschränkungen von Kontakten scheint also noch nicht überall angekommen zu sein. Im Netto hat man sogar die Warentrenner an der Kasse entfernt. An sich eine gute Idee, aber mein innerer Schrebergärtner läuft da beinahe Amok.

In der Stadt hängen mittlerweile viele Plakate der Statdverwaltung um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Da aber ohnehin nur noch wenige Leute in der Stadt sind, dürfte man auf diese Weise deutlich weniger Leute erreichen als sonst.

Mittlerweile hat sich bestätigt, dass die Stadt bei der Bundeswehr nach Hilfe ersucht hatte. Man scheint aber nun einen privaten Ausrüster für Zelte usw. gefunden zu haben, die Hilfe der Bundeswehr wird damit offiziell nicht mehr benötigt.

Eine schlechte Nachricht zum Schluss: nach dem Zusammenbruch des Jenaer Nahverkehrs und dem aktuellen Notbetrieb mit deutlich reduzierten Takten scheint nun auch die Bahn Anpassungen vorzunehmen. Diesmal wird es aber rechtzeitig angekündigt, ab Montag sollten folgende neuen Fahrpläne gelten (laut Jena.de):

  • Leipzig und Halle bleiben von Jena aus stündlich erreichbar, allerdings mit Umstieg. Alle zwei Stunden fahren die Züge durch.
  • Auf der Strecke Gera-Jena-Erfurt fällt der RE 3 komplett weg, RE 1 und EB 21 fahren allerdings nahezu unverändert weiter, d. h. es fahren noch zwei Züge pro Stunde.
  • Der RE 15 Saalfeld – Jena (Abellio) entfällt vollständig. Bitte auf Linien RB 25 und Franken-Thüringen-Express ausweichen.
  • Der RE 18 Jena – Naumburg – Halle (DB Regio) entfällt vollständig. Bitte auf Linien RB 25 und Franken-Thüringen-Express ausweichen.

Das wird wohl auch bedeuten, dass die Züge voller werden. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob man dann weiter ohne Ansteckungsgefahr fahren kann. Ausweichmöglichkeit ist dann allerdings nur noch das Auto.

 

Corona-Tagebuch 26.03.2020 – Bankenkrise dritter Tag

Heute dürfen die Bänke und Sitzgelegenheiten in der Stadt wieder frei genutzt werden. KSJ hat alle Aufkleber auf den Bänken durch neuen getauscht, auch denen nun nur noch „Abstand halten“ zu lesen ist. Das merkwürdige Verweilverbot scheint damit vom Tisch. KSJ scheint aber noch nicht alle Bänke erwischt zu haben.

Abstand halten statt Verweilverbot

Zwätzen ist nach der Fahrplanänderung gestern weiterhin nur im Stundentakt durch den Jenaer Nahverkehr angebunden. Ich vermeide daher möglicherweise volle Busse und nutze die Bahn. In den Regionalplanen hat sich bisher noch keine Änderung beim Fahrplan ergeben. Diese fährt zwar auch nur stündlich, dafür kommt man aber ohne Umsteigen und mit recht leeren Wagen ins Zentrum. Man muss also keine Bedenken wegen des Sicherheitsabstandes haben.

Neue Zahlen zu den Infizierten-Zahlen gibt es bisher noch nicht. Die Webseite von jena.de mit alle Unterseite und selbst die Statistik-Subdomain sind seit einigen Stunden nicht erreichbar. Laut der Stadtverwaltung wird an einer „zügigen Behebung des Problems gearbeitet„. Wann genau es soweit ist, bleibt offen, durchaus denkbar, dass viele Mitarbeitet im Homeoffice sind und daher jetzt erst herangeholt werden müssen um die Probleme zu beheben. Es bleibt also vom Stand 99 Infizierte gestern, 5 davon sind bereits wieder genesen, 7 davon müssen stationär behandelt werden.

Der MDR berichtet, dass Jena bei der Bundeswehr um Hilfe nachgefragt hat. Es geht dabei wohl um Zelte und nicht um Soldaten. Den ganzen Artikel gibt es hier: https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/jena/coronavirus-jena-bittet-bundeswehr-um-hilfe-100.html


Warum ein Corona Tagebuch?

Wir erleben derzeit eine absolute Ausnahmesituation (die sich hoffentlich nicht so schnell wiederholen wird) und es gibt täglich eine ganze Reihe von Einschnitten und Änderungen, die sich bis zur sehr privaten Ebene durchziehen. Es kann daher sehr hilfreich sein, zu dokumentieren, was gemacht wurde und welche Maßnahmen ergrifen wurden um später zu wissen, was sich durch die Corona Krise verändert hat. Daher dieses Tagebuch als Form der Dokumentation.

 

 

 

Corona Tagebuch 25.03.2020 – ÖPNV im Corona Takt

Gestern hat der Jenaer Nahverkehr sehr kurzfristig angekündigt, dass man die Takte auf allen Linien sehr deutlich erhöht. Es fahren also weniger Busse und Bahnen, der ATakt liegt jetzt bei 30 Minuten bis 60 Minuten. Auf Linie 1 wurde es teilweise auch wieder etas gelockert, prinzipiell muss man nun aber länger auf den ÖPNV warten. Das ist besonders im Berufsverkehr ein Problem. Es fahren zwar weniger Menschen in die Stadt, aber dennoch genug um die wenigen Busse und Bahnen zu Stoßzeiten zu überlasten. Es ist dann für die Mitfahrenden kaum möglich den Sicherheitsabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Die Entscheidung des ÖPN könnte sich also als kontraproduktiv erweisen.

Auch die Begründung ist eher vage. In der Meldung dazu schreibt der Jenaer Nahverkehr von den geltenen Allgemeinverfügungen, auf Nachfrage geht es dann wohl doch eher um Engpässe beim Personal. Der Kundendienst schreibt in einer Antwort:

Wir sind wie alle in der Bevölkerung von starken Beeinträchtigungen geprägt. Daher mussten wir entsprechende Maßnahmen ergreifen, um auch in den kommenden Wochen einen stabilen – wenn auch sehr eingeschränkten – Nahverkehr anbieten zu können. Bei der Zahl der von Corona betroffenen Menschen und entsprechenden Quarantänemaßnahmen werden wir unser bisher gefahrenes Angebot nicht mehr aufrechterhalten können.

Für Kunden des Jenaer Nahverkehrs bleibt aktuell also nur die Wahl zwischen eventuell vollen Bussen und Bahnen (nicht gut) oder Alternativen, so man denn welche hat.

Jena hat angefangen, die Statistiken etwas auszweiten. Aktueller Stand heute gibt es 99 Infizierte. Dazu wird nun zum erste Mal die Zahl der Genesenen aufgeführt (5) und auch die Zahl der sationären Corona-Fälle (7).

Eine gute Nachricht: Der FCC hat heute angefangen, Bestellungen für Risiko-Gruppen auszuliefern. Wer auch betroffen ist, kann über die Hotline Einkäufe bestellen und auch Besorgungen beauftragen. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe solcher Initativen in der Stadt und auch die Fußballer sind jetzt hier sehr aktiv.

In der Stadt wird immer noch diskutiert, ob der Todesfall nun eine Corona-Toter ist oder ein Toter, der nur Corona hatte. Ich halte das für wenig zielführend, denn ob nun Corona selbst die Todesursache ist oder die Infektion den Körper so sehr schwächt, dass andere Krankheiten und Erkrankungen tödlich werden macht an sich keinen Unterschied. Es sind beides Szenarien, die es zu vermeiden gilt.


Warum ein Corona Tagebuch?

Wir erleben derzeit eine absolute Ausnahmesituation (die sich hoffentlich nicht so schnell wiederholen wird) und es gibt täglich eine ganze Reihe von Einschnitten und Änderungen, die sich bis zur sehr privaten Ebene durchziehen. Es kann daher sehr hilfreich sein, zu dokumentieren, was gemacht wurde und welche Maßnahmen ergrifen wurden um später zu wissen, was sich durch die Corona Krise verändert hat. Daher dieses Tagebuch als Form der Dokumentation.

Jena: eine kleine Geschichte der Wasserrinne in der Johannisstraße

Wer durch die Johannisstraße in Jena läuft, wird zwangsläufig auch die Teilung bemerken, die sich durch schwere Metallgitter ergibt, die auf der Straße liegen. Durch diese wird die Straße in zwei unterschiedliche große Bereiche aufgeteilt. Die Gitter sind dabei erhaben und wölben sich einige Zentimeter über den Straßenbelag. Darunter verbirgt sich die sogenannte Wasserrinne, wobei der Name kaum noch Bedeutung hat, denn Wasser fließt dort ohnehin nicht mehr oder nur noch dann, wenn es Starkregen gibt.

Diese Rinne ist dabei noch gar nicht alt und stammt aus den Jahren 2003/04. Seit dem hat sich aber schon Einiges in diesem Bereich geändert – unter anderem wurde das Wasser abgestellt.

Endpunkt der Wasserrinne

Konzipiert als Wasserlauf bis zu Saale

Die Wasserrinne war eigentlich als durchgehendes System vom Pulverturm über Saalstraße und Steinweg bis zur Saale. Angedacht war eine weitreichende Wasserinstallation, die am Brunnen am Pulverturm beginnt und dann in unterschiedlichen Abschnitten durch das natürliche Gefälle bis hin zur Saale läuft (Gesamtkonzept Wasserrine Altstadt). Die ersten Beschlüsse dazu gab es bereits im Jahr 2002. Die aktuelle Wasserrinne ist also nur ein Fragment einer weit größeren Installation.

Aus Geldmangel wurde das Konzept aber später immer weiter reduziert und auf den jetzigen Stand in der Johannisstraße zurecht geschrumpft. Dazu gab es einige neue Erkenntnisse, unter anderem, dass das Gefälle in einigen Bereichen nicht ausreicht und daher der Einsatz von Pumpen notwendig wäre (der Betrieb finanziert werden müsste). Daher endet die Wasserrinne mittlerweile auf der Hälfte der Johannisstraße etwa auf Höhe der Treppenanlage zum Eichplatz. Von dort wird das Wasser dann unter anderem per Druckleitung in die Saale weiter geleitet, so es denn welches gibt. (1)

Lageplan Wasserrinne - ursprünglicher Entwurf

Lageplan Wasserrinne – ursprünglicher Entwurf (zum Vergrößern klicken)

Erste Probleme mit der Rinne

2008 traten dann die ersten Probleme mit der Wasserrinne deutlich hervor. Die Wasserrinne in der Johannisstraße war durch die offene Konstruktion und doch recht großen Höhenunterschied zur Fahrbahn ein Hindernis geworden und die Ursache von mehreren Unfällen. Offensichtlich gab es dazu auch mehrere Forderungen nach Schadenersatz gegenüber der Stadt, so dass Maßnahmen notwendig wurden um die Unfallgefahr in diesem Bereich zu reduzieren. Im Protokoll des Stadtentwicklungsausschusses heißt es dazu:

Mit der Öffnung der Wasserrinne im Sommer 2007, nachdem auch die Verbindung zur Einleitung des Wassers mit dem Straßenbau in der Saalstraße fertiggestellt worden war, haben sich in kurzer Zeitfolge mehrere Unfälle ereignet, die durch den Kommunalen Schadensausgleich reguliert wurden. Es wurde die Forderung aufgemacht, dass wirksame Maßnahmen eingeleitet werden müssen, um der Unfallgefahr dauerhaft zu begegnen. Durch das Umweltamt wurde der Kommunale Schadenausgleich informiert, dass die Wasserrinne bis zur Veränderung abgedeckt bleibt. Eine dauerhafte Abdeckung der Wasserrinne in der Johannisstraße könnte Rückzahlungsforderungen bezüglich der hier eingesetzten Städtebaufördermittel nach sich ziehen.

Der letzte Satz ist dabei besonders interessant, denn damit wird klar, dass ein Rückbau oder auch eine Umgestaltung in größerem Umfang nicht möglich gewesen wäre. Das hätte unter Umständen zur Rückzahlung der Fördermittel geführt.

Stattdessen entschied man sich für andere Veränderungen: Die Rinne wurde teilweise abgedeckt, die Tiefe der Rinne reduziert und dazu sollte der Anfang besser markiert werden um zu verhindert, das Radfahrer versehentlich in die Rinne fahren. Nach Ablauf der Frist für die Fördergelder wurde die Rinne dann komplett abgedeckt und am Start der Rinne steht nun ein Blumenkübel (siehe Titelbild).

Mit dem Umbau wurde auch ein Wettbewerb vorgeschlagen um die Wasserrinne weiter zu entwickeln, dazu ist es aber nicht gekommen. (2)

Versandeter Bereich der Rinne nebem dem Sandkasten

2011 – Kein Wasser mehr für die Wasserrinne

2011 gab es dann den vorerst letzten Schicksalsschlag für die Wasserrinne. Das Wasser der Rinne stammt aus dem separaten Brunnen am Pulverturm (65 Meter tief) und dort wurden verschiedene giftige Kohlenwasserstoffe gefunden worden. Die Konzentration war zwar nicht so hoch, aber doch bedenklich genug, um das Wasser abzustellen. Seit diesem Jahr liegt die Rinne trocken. Der Philisterbrunnen am Pulverturm wird in diesem Zusammenhang im Übrigen mit Trinkwasser gespeist – hat mit dem Problem also nichts zu tun.

Es gab 2011 auch noch den Ansatz, das Wasser aus dem Tiefbrunnen vorzuklären. Der damalige Oberbürgermeister Schröter versprach, dass auf Jahresfrist eine Lösung gefunden werden sollte – das wurde aber nie realisiert. Daher gibt es nach wie vor kein Wasser in der Wasserrinne. Stattdessen gibt es eine Rinne ohne Funktion, die eine wichtige Achse für Fußgänger und Radfahrer einengt. Ob und wie es damit weiter geht, ist vorerst offen. Die Planungen für den Eichplatz und das Umfeld laufen derzeit – die Wasserrinne und deren Fortführung hat dort aber keine Prioriät. (3)

Hinweis: Diese Geschichte beruht vor allem auf meinen eigenen Erfahrungen und Punkten, die ich aus den Stadtratsprotokollen entnehmen konnte. Über weitere interessante Details würde ich mich in den Kommentaren sehr freuen.

Quelle

 

Schul-Hack in Jena – die Wahrheit gibt es nach 3 Monaten (zum Teil)

Die Webseiten der städtischen Jenaer Schulen waren seit Anfang Dezember nicht mehr erreichbar und zwar ohne größere Information. Erst nach einigem Nachfragen räumte man ein Problem ein (was unschwer zu erkennen war) und schaltete eine allgemeine Seite mit den Kontaktdaten der jeweiligen Schulen.

Gegenüber der OTZ wurde auf Nachfrage am 20. Dezember erklärt, dass es sich um eine Havarie des Server gehandelt habe. Von einem Angriff auf den Server und eventuelle Angriffe auf die Besucher der verseuchten Webseiten war nicht die Rede. Im Netz wurde da bereits darauf hingewiesen, dass die Symptome nicht zu einer einfachen Havarie passten.

Mittlerweile wurde eingeräumt, dass es sich doch um einen Angriff gehandelt habe und das der zentrale Server betroffen war. Auf der Webseite der Stadt heißt es dazu:

Der zentrale Server, auf dem sämtliche Homepages aller Jenaer Schulen mit deren Anwendungen abgelegt sind, wurde vor ca. drei Monaten gehackt und mit Schadsoftware infiziert. Von dem Server wurde dadurch eine Vielzahl von Spam-E-Mails versendet, so dass bereits Dritte auf das Problem aufmerksam wurden und die Stadt benachrichtigten.

Tatsächlich war das Problem aber noch gravierender. Die Homepages der städtischen Jenaer Schulen wurden teilweise so modifiziert, dass sie auf Malware- und Spam-Seiten weiterleiteten. Wer die Webseite einer Schule aufgerufen hatte, wurde daher auf eine fremde Seite weiter geleitet, die möglicherweise auch den eigenen Rechner infiziert hat. Auf Twitter heißt es dazu bereits am 10. Dezember:

Ganz konkret sollte daher jeder, der eine der betroffenen Jenaer Schulen besucht hat, prüfen, ob eventuell Malware installiert wurde (mit etwas Glück hat das der eigene Virenscanner unterbunden). Das wäre ein Hinweis, der dringend in die Pressemitteilung aufgenommen werden sollte. Gleiches gilt für die Empfänger der Spam-Mails die hoffentlich die Anhänge in den Mails nicht geöffnet haben.

Zu klären wäre auch, ob durch den Angriff die Zugriffsdaten der Nutzer der jeweiligen Homepages der Schulen in fremde Hände geraten sind. Man muss zumindest in Betracht ziehen, dass auch Zugriff auf die Datenbank möglich war und so Login und (verschlüsselte) Passwörter abgegriffen werden konnten. Auch hier sollten die Betroffenen schnellstmöglich informiert werden.

An sich hätte das auch alles bereits viel schneller erfolgen müssen. Die Webseiten wurde Mitte Dezember offline genommen und daher wußte man vor knapp einem Monat bereits, dass es ein Problem gab und eine Kompromittierung vorlag. Betroffene hätten also mit einer rechtzeitigen Information einen Monat mehr Zeit gehabt, ihre Systeme zu prüfen und Passwörter und Zugangsdaten zu ändern. Extrem ärgerlich ist, dass nach wie vor der Hinweis auf die Angriffe auf Nutzersysteme fehlen und das man so den Betroffenen die Chance nimmt zu reagieren.