Der Kirchplatz vor der Stadtkirche in Jena trägt bereits seit mehreren Jahren eine Art Flicken aus Asphalt. Auch nach der neusten Baumaßnahme wurde dieser Überzug auf einem eng umgrenzten Bereich wieder herstellt und viele Fußgänger fragen sich, warum man den Platz mit diesem unansehnlichen Flicken ziert.
Die Antwort ist recht einfach: der Flicken soll ein Bodenmosaik schützen, dass sich seit der Neugestaltung des Platzes dort befindet und mittlerweile zusammen mit dem gesamten Platz als Bodendenkmal eingestuft ist. Auf alten Bildern (wie dem Titelbild vom 1909) ist dieses Mosaik noch zusehen. Die Intarsie trägt den Schriftzug 1880 und darunter KFE in großen Buchstaben.

Das Mosaik wurde im Zuge der Neugestaltung von Saalgasse und Kreuz mit verlegt (1). 1880 wurden diese beiden Bereich neu gestaltet und als Erinnerung an den Neubau wurde das Datum als Bodenmosaik festgehalten. Start der Maßnahme war der 2. August 1880 und im Zuge des Neubaus wurden viele weibliche Skelette im Boden gefunden. Diese stammten wohl noch aus der Zeit, als es bei St Michaelis ein Nonnenkloster gab, welches bereits 1525 aufgelöst wurde.

Bereits am 6. September 1880 wurde die Pflasterung abgeschlossen und man ging dazu über, als letzte Maßnahme die Fußwege zu asphaltieren. Das ging allerdings nicht ganz problemlos vonstatten, denn es gab im neue Asphalt immer wieder Spuren von Wägen, die darüber gefahren waren, bevor der Belag komplett ausgehärtet war. Der Gemeindevorstand von Jena sah sich daher gezwungen, eine Verfügung zu erlassen und Strafe für alle anzudrohen, die weiterhin die Baumaßnahme störend würden.

Das heute historische Pflaster vor der Stadtkirche stammt noch aus dieser Zeit. Der Bereich wurde auch im Zuge der Neugestaltung nicht verändert und zeigt daher noch die Pflasterung von 1880 (die aber natürlich im Laufe der Zeit deutliche Beschädigungen davon getragen hat).
Das heutige Mosaik hat im Übrigen einen Vorgänger (2). Bereits 1757 wurde dieser Platz einmal neu gepflastert und die Jahreszahl 1757 wurde auch zu dieser Zeit bereits als Mosaik vor der westlichen Kirchentür verlegt. Mit den Arbeiten 1880 wurde dies aber komplett entfernt und stattdessen das neue Mosaik verlegt. Vor 1880 zeigten sich auf dem Kirchplatz (damals noch Zum Kreuz genannt) angeblich bei Regen auch noch rote Flecken auf dem Pflaster, die auf die Wachfeuer der Truppen von Napoleon hindeuten sollten, die 1806 dort gebrannt haben. Mit der Neugestaltung des Platzes sind auch diese Flecken verschwunden.
Im Zuge der Neugestaltung des Kirchplatzes 2024/25 wurde auch die Abdeckung des Mosaiks entfernt und der Zustand geprüft. Allerdings gab es dabei keine guten Nachrichten. Trotz des Schutzes durch die Abdeckung in den letzten Jahren ist das Bodenmosaik mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand. Die Steine liegen vielfach frei und haben kaum noch Halt. Teilweise fehlen auch bereits viele Steine und es ist zu befürchten, dass ohne den aktuellen Schutz weitere originale Steine verloren gehen könnten. Derzeit ist das Bodenmosaik daher wieder abgedeckt – es gibt vorerst auch keine Hinweise, dass zeitnah geplant ist, dieses Bodenornament wieder zu restaurieren und zugänglich zu machen.
Quellen
- Jenaer Volksblatt, Mittwoch, den 14. Mai 1930
- Jenaische Zeitung, 30. August 1880

